Viel Unterstützung für Initiative #positivarbeiten

Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung

19-12-01 RNZ Diagnose
© Rhein-Neckar-Zeitung, 2019

Initiative #positivarbeiten findet mehr als 100 Unterstützer und startet in weiteren Ländern - Gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Von Barbara Klauß

Walldorf. Noch immer würden Menschen, die HIV-positiv sind, stigmatisiert, meint Ernesto Marinelli, globaler Personalleiter des Vorstandsbereichs Vertrieb bei SAP. Um dieser Stigmatisierung – sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Gesellschaft – entgegen zu wirken, hat der Softwarekonzern gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe (DAH) und IBM die Initiative #positivarbeiten ins Leben gerufen. Mehr als 50 Unternehmen und Organisationen unterschrieben im Sommer 2019 eine Deklaration gegen Diskriminierung von Menschen mit HIV im Arbeitsleben, unter anderem Daimler und die Stadt Mannheim. Inzwischen sind es mehr als 100 Unterzeichner, wie es am Montag hieß.

Nun startet die Initiative auch in anderen Ländern, wie Marinelli am Dienstag in einer Video-Konferenz anlässlich des Welt-Aids-Tages sagte: zunächst in den USA, Kanada, Österreich und Tschechien. "Schritt für Schritt wollen wir in jedem Land etwas tun um weg zu kommen von der Stigmatisierung von chronisch Kranken", sagte Marinelli.

"HIV braucht im Arbeitsalltag überhaupt keine Rolle zu spielen", hatte DAH-Vorstand Winfried Holz bereits bei der Unterzeichnung der Deklaration im vergangenen Jahr erklärt. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung könnten Menschen mit HIV genauso arbeiten wie alle anderen. "Die Medizin hat HIV heute gut im Griff", fügte Hans-Jürgen Stellbrink hinzu, Mediziner und Präsident des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses.

"Ängste vor einer Übertragung bei der Zusammenarbeit waren schon immer unbegründet. Unter Therapie ist eine Übertragung von HIV prinzipiell nicht mehr möglich." Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass Menschen, die HIV-positiv sind, arbeiten. Von den rund 80.000 Infizierten in Deutschland arbeiten Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel; wieder zwei Drittel von ihnen halten die Infektion geheim – oft aus Angst vor Stigmatisierung, Ausgrenzung oder gar dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Eine Erfahrung die auch auch Elke Adler von der Aidshilfe Heidelberg gemacht hat. Anfang der 1980er Jahre bekam sie eine Bluttransfusion, ein paar Jahre später erfuhr sie, dass sie HIV-positiv ist. Sie selbst wagte damals nicht, ihren Arbeitgeber einzuweihen. "Ich hätte mir eine solche Initiative wie #positivarbeiten sehr gewünscht", erzählte sie bei der Video-Konferenz. "Ich habe sehr unter diesem Versteckspiel gelitten."

SAP wolle seinen Mitarbeitern Rückendeckung geben, erklärte SAP-Mitarbeiter Jörg Beißel, der HIV-positiv ist, in einer Video-Botschaft. Die Führung signalisiere: Du bist richtig, so wie du bist, und Teil der Vielfalt im Team. "Jeder soll sich bei SAP wohl fühlen", fügte Marinelli hinzu. Zudem ist es ihm wichtig, wieder mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. In der Bevölkerung sehen alle Beteiligten nach wie vor große Wissenslücken. Prävention und Aufklärung aber können derzeit nicht stattfinden wie sonst. Aufgrund der Corona-Pandemie können Elke Adler von der Aidshilfe und andere nicht in die Schulen wie üblich. "In diesem Jahr hat die Prävention so gut wie nicht statt gefunden", erzählte sie. Dabei wäre es ihrer Einschätzung nach wichtig, die jungen Leute rechtzeitig aufzuklären. "Es fehlt viel Wissen", sagte sie.