Positiv arbeiten: Für HIV-Infizierte gibt es heute keine Job-Einschränkungen mehr

Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung

19-12-01 RNZ: Positiv arbeiten
© Rhein-Neckar-Zeitung, 2019

Jörg Beißel ist das positive Gesicht von SAP. Und er ist es aus Überzeugung. In der Zentrale in Walldorf sitzt der junge Mann in einem Coffee Corner, einer Kaffee-Ecke, auf einer weißen Couch und trinkt Cappuccino. Jörg Beißel trägt einen kurzen Bart, eine stylishe Brille und zwei Ohrringe. Ein freundlicher, offener Mann, der ruhig und überlegt erzählt – von seiner HIV-Infektion.

Seit ein paar Monaten tritt er offen ein „für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben“. So lautet der Titel einer Arbeitgeberdeklaration, die im Juni auf Initiative der Deutschen Aidshilfe (DAH) zusammen mit SAP und IBM ins Leben gerufen wurde (siehe Hintergrund). Jörg Beißel ist Teil der Kampagne dazu, er spricht auf Podien und in kleineren Runden mit Menschen darüber, was es heutzutage bedeutet, positiv zu sein – und zu arbeiten.

Viereinhalb Jahre ist es her, dass er sich mit dem Virus infiziert hat. Nun lebt der 37-Jährige damit ein ganz normales Leben: mit einem Partner, mit Freunden, mit Sport – und mit einem Job bei Europas größtem Softwarekonzern. Gesundheitliche Einschränkungen hat er nicht. Jeden Tag schluckt er eine Tablette, alle drei Monate geht er zum Arzt. Er ist nicht öfter krank als andere, Auswirkungen auf seine Arbeit oder seine Leistungsfähigkeit hat das Virus nicht.

„HIV braucht im Arbeitsalltag überhaupt keine Rolle zu spielen“, erklärte DAH-Vorstand Winfried Holz bei der Unterzeichnung der Deklaration. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung könnten Menschen mit HIV genauso arbeiten wie alle anderen. „Die Medizin hat HIV heute gut im Griff“, fügte Hans-Jürgen Stellbrink hinzu, Mediziner und Präsident des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses. „Ängste vor einer Übertragung bei der Zusammenarbeit waren schon immer unbegründet. Unter Therapie ist eine Übertragung von HIV prinzipiell nicht mehr möglich.“