Grußwort von Bürgermeister Wolfgang Erichson zum Welt-AIDS-Tag 2020

20-12-01 Grußwort Wolfgang Erichson

Bürgermeister Wolfgang Erichson Vorsitzender des Fördervereines der AIDS-Hilfe Heidelberg zum Welt-AIDS-Tag 2020

 

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

dieses Jahr können wir uns nicht wie jedes Jahr am AIDS-Mahnmal auf dem Bergfriedhof versammeln, um an unsere verstorbenen Freunde und Familienangehörigen zu denken und zu erinnern.

In diesem Jahr, in dem Corona das alles bestimmende Thema ist, haben wir zum Glück niemanden von unseren Klienten/-innen der AIDS-Hilfe Heidelbergverloren, was eine sehr gute Nachricht ist.

Obwohl uns all die Erfolge im medizinischen Bereich im Kampf gegen das HI-Virus Anlass zur Hoffnung geben, brauchen wir den jährlichen Welt-AIDS-Tag als Tag der Solidarität mit den Betroffenen.

Verunsicherung, Angst und Vorurteile in der Bevölkerung führen immer noch dazu, dass Menschen aufgrund Ihrer HIV-Infektion ausgegrenzt werden. Immer noch wird hinter dem Rücken von Menschen mit HIV getuschelt, der Kontakt mit ihnen wird gemieden und in einigen Fällen ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr.

So wird deutlich, dass Zurückweisung und Ausgrenzung aufgrund einer HIV-Infektion sowie die Angst davor, angesichts einer verbesserten medizinischen Versorgungslage für viele Betroffene heute meist schwerer wiegen als die gesundheitlichen Folgen der Infektion.

Gerade die Älteren unter uns, die erlebt haben, wie es war, als ein anderes Virus (HIV) in aller Diskussion war, blicken erstaunt auf all die Bemühungen und Reaktionen, die ein Virus auslöst, das alle treffen kann und nicht wie damals als sogenannte „Schwulenseuchediskriminiert werden konnte.

Wir sehen genauso erstaunt, wie schnell medizinische Lösungen gefunden werden können, wenn es alle trifft, und wir wissen aus unseren Erfahrungen mit dem HI-Virus, dass die Medizin ein Virus wenn schon nicht besiegen aber unter Kontrolle halten kann.

Wir werden daher nicht nachlassen, gegen die alltägliche Diskriminierung anzukämpfen, und können gleichzeitig all jenen Mut machen, die Angst vor dem Covid19-Virus haben, indem wir ihnen zeigen können, dass Prävention wirklich hilft und medizinische Lösungen machbar sind.

Aber wir vergessen darüber niemals unsere Trauer um die lieben Menschen, die wir viel zu früh verloren haben. Ich möchte daher uns allen einige Worte von Dietrich Bonhoeffer mit auf den Weg geben, die er kurz vor seinem Tod in sein Tagebuch geschrieben hat:

„Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen. Man muss es einfach aushalten und durchhalten.

Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost. Denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden (...) und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft miteinander, wenn auch unter Schmerzen, zu bewahren.

Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.

 

Materialien
Rede

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

dieses Jahr können wir uns nicht wie jedes Jahr am AIDS-Mahnmal auf dem Bergfriedhof versammeln, um an unsere verstorbenen Freunde und Familienangehörigen zu denken und zu erinnern.

In diesem Jahr, in dem Corona das alles bestimmende Thema ist, haben wir zum Glück niemanden von unseren Klienten/-innen der AIDS-Hilfe Heidelberg verloren, was eine sehr gute Nachricht ist.

Obwohl uns all die Erfolge im medizinischen Bereich im Kampf gegen das HI-Virus Anlass zur Hoffnung geben, brauchen wir den jährlichen Welt-AIDS-Tag als Tag der Solidarität mit den Betroffenen. (...)