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Umwelt Direkt 3-2006, Gesundheit im Rhein-Neckar-DreieckUmweltdirekt - das Umweltmagazin für die Rhein-Neckar-Region berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über die Gesundheit im Rhein-Neckar-Dreieck: 

Aids-Aufklärung wichtiger denn je - Aus den Medien, aus dem Sinn

Es ist stiller geworden um Aids. Doch das HIV-Virus ist längst nicht besiegt. In vielen Ländern Afrikas und Asiens wütet es in schrecklichem Ausmaß; auch in Deutschland nehmen die Infektionen deutlich zu. Um so wichtiger ist die Aufklärungs- und Betreuungsarbeit von behördlicher und ehrenamtlicher Seite. In Heidelberg etwa leisten die Aids-Beratung beim Gesundheitsamt, die seit 20 Jahren bestehende Aids-Hilfe und der rein spendenfinanzierte Verein “Aids und Kinder e.V.” unverzichtbare Dienste.

Nach Ostern kam eine Sensationsmeldung aus Rom: Der Papst wolle künftig Aids-Kranken die Benutzung von Präservativen erlauben. “Gib Aids keine Chance”, “Kondome Schützen” oder “Mach’s mit” – diesen Slogans zur Eindämmung der weltweiten Immunschwäche-Geisel hatte Benedikts Vorgänger Johannes-Paul II bis zuletzt mit einem unerbittlichen Kondom-Verbot entgegengepredigt. Doch auch der Silberstreif über St. Peter ist trügerisch: Auf ein generelles Ja der katholischen Kirchenoberen zum Schutz durch Kondome ist allein schon wegen derer (ursprünglich ja primären) Funktion als Empfängnis-Verhüter längst nicht zu hoffen.

Von HIV-infizierten Menschen, sogar von Ehepaaren, den Verzicht auf Sexualverkehr zu verlangen, statt sie sich mittels eines einfachen Stückchen Gummis wirkungsvoll schützen zu lassen, ist (oder war hoffentlich) nur der absurdeste Gipfel moralisch-sittlicher Verknöcherung. Erst recht und auch weiterhin untersagen die enthaltsamen alten Männer im Vatikan Nichtinfizierten die vorbeugende Verwendung von Präservativen und jungen Menschen den vorehelichen Verkehr ja sowieso. Die sexuelle Realität aber ist bekanntlich eine ganz andere, und der UD-Schreiber hätte die “heiligen Botschaften” aus Rom bestimmt nicht als Einstieg “gewürdigt”, schlügen diese nicht permanent all jenen ins Gesicht, die sich im Rahmen der Aufklärung über Aids und andere Geschlechtskrankheiten für “Safer Sex” und insbesondere für den Ansteckungsschutz durch Kondome einsetzen.

Hilfe zur Selbsthilfe
„Aids und Kinder e.V.“ Mitbegründerin Elke Adler hofft weiter auf rege Unterstützung für den ehrenamtlich geführten und nur aus Spenden der Mitglieder und Förderer finanzierten Verein.Menschen wie Elke Adler. Selbst seit bald zwei Jahrzehnten HIV-positiv getestet, war sie mit ihrem Ehemann Dieter 1989 Mitbegründerin von “Aids und Kinder e.V. Baden-Württemberg”. Der rein ehrenamtlich geführte Verein mit Sitz in Heidelberg- Wieblingen ist ein Kreis betroffener Familien und deren Freunden, der zugleich Sprachrohr und Ansprechpartner sein will. Zur Zeit betreut der Verein 60 Familien, die meisten aus dem “Ländle”, aber auch aus Rheinland-Pfalz, Hessen und anderen Bundesländern. Das Angebot umfasst neben aktuellem Infomaterial die Hilfe beim Gang zu Ämtern, Behörden und Fachärzten, die Vermittlung und Bezuschussung von Erholungsurlaub sowie finanzielle Hilfe für Familien, die durch Aids in Not geraten sind. Ferner veranstaltet der Verein Wochenend-Gruppengespräche und Freizeiten und bietet in seiner Geschäftsstelle in der Mannheimer Straße (Wieblingens Hauptstraße) 198 nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe Betroffenen Raum und Unterstützung, um selber aktiv zu werden. Da sich “Aids und Kinder e.V.” ohne öffentliche Zuschüsse finanzieren muss, ist der Verein dringend auf Spenden und Unterstützung durch Fördermitgliedschaften angewiesen.

Trügerische Ruhe
Aids als soziale Herausforderung: Kinder werben kreativ für Solidarität mit den BetroffenenIn den Medien ist das Thema Aids heute ungleich weniger zu finden als in den 80er und 90er Jahren. Dabei breitet sich die Krankheit weiter aus. In Deutschland stieg letztes Jahr die Zahl der Neuinfektionen mit 2490 um 13 Prozent. Die Gesamtzahl der Infizierten erreichte hierzulande einen neuen Höchststand, und es wäre gefährlich, wenn Aids bei uns mangels Schlagzeilen-Präsenz in Vergessenheit geraten würde. Dies gerade angesichts des oft sehr langsamen Krankheitsverlaufs. Zwischen der Infektion und den ersten Symptomen können bekanntlich viele Jahre liegen, ohne dass der oder die HIV-Positive etwas ahnen. Um so größer ist natürlich das Verbreitungsrisiko.

Niederschwelliges Angebot beim Gesundheitsamt
Menschen, die ein Infektionsrisiko hatten, sollten sich möglichst frühzeitig testen lassen. Doch neben der Furcht vor der Gewissheit hemmt sie oft die Schwellenangst. Um so wichtiger sind die niederschwelligen Angebote, wie etwa jene der Aids-Beratung beim Heidelberger Gesundheitsamt. Ratsuchende, ob Einzelne, Paare, Betroffene oder Angehörige, finden hier kostenlos und anonym Information und Hilfe bei allen Fragen, Problemen, Zweifeln und Befürchtungen in Bezug auf HIV und AIDS. Die Beratung, auch zu Fragen der Sexualität und Verhütung, insbesondere der Kondomanwendung, kann telefonisch oder persönlich stattfinden. Zudem bietet das Gesundheitsamt HIV-Tests an, ebenfalls gratis und anonym, versteht sich.

Information tut Not
Ein zweiter wichtiger Arbeitsschwerpunkt dieser Beratungsstelle ist die Aids-Prävention durch Aufklärung. Gerade junge Menschen in Deutschland wissen zu wenig über die Risiken und Gefahren. Nach einer repräsentativen Studie der Jugendzeitschrift BRAVO machen sich 42 Prozent der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren überhaupt keine Gedanken über Aids. Jede/r siebte der knapp 1500 Befragten hatte schon Geschlechtsverkehr ohne Verhütung. Jedoch wirke die Jugend im Gespräch heute, so die Leiterin der Umfrage, gar nicht mal wie eine “Generation sorglos”, eher wie eine “Generation-ich-weiß-nicht-so-recht”. Um so wichtiger ist die profunde Informationsarbeit der Aids-Beratung über die HIV-Infektion sowie auch über andere wieder zunehmende Geschlechtskrankheiten. So laufen Informations-Veranstaltungen an Schulen, im Juli gibt es am Hauptbahnhof Aktionen rund um “Sommer, Sonne, Safer Sex“. Auch beim Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ist die Beratung mit Infoständen präsent. Daneben veranstaltet sie Feierabend-Parties, macht Kino-Werbung, plakatiert Slogans stark in Bussen und Straßenbahnen, und anlässlich der Fußball-WM 2006 sind zusätzliche Aktionen geplant. Die Öffentlichkeitsarbeit läuft in Kooperation mit der Aids-Hilfe Heidelberg e.V., Aids und Kinder e.V. BaWü und Pro Familia Heidelberg.

20 Jahre Aids-Hilfe Heidelberg
Gefühle schützen“ - das originelle Schaufenster des Heidelberger Zuckerladens in der Plöck als Glückwunsch zum Jubiläum Ein originell gestaltetes Schaufenster weist zur Zeit in der Heidelberger Plöck auf ein besonderes Jubiläum hin. Seit 20 Jahren gibt es die Aids-Hilfe Heidelberg. Und da Jürgen und Marion Brechts Zuckerladen dieses Jahr zufällig auch sein 20jähriges feiern kann, und sich die beiden “Naschwerker” seit Jahren für soziale Randgruppen wie Obdachlose oder HIV-Infizierte einsetzen, nehmen sie das Doppeljubiläum gerne zum Anlass, unter dem Motto „Gefühle schützen“ für die Aids Prävention und gegen die Diskriminierung zu werben und Spendengelder zu sammeln, denn finanzielle Unterstützung kann die einst von acht schwulen Männern in der Altstadt gegründete Aids-Hilfe heute mehr denn je gebrauchen. Aus dem Selbsthilfeverein ist eine Beratungsstelle mit drei Angestellten, 50 Ehrenamtlichen und 70 Fördermitgliedern geworden. Psychosoziale Betreuung, sozialrechtliche Beratung, Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige, Schulung von Multiplikatoren und wiederum Aufklärungsarbeit in Schulen – das Arbeitsspektrum ist breit, und muss zu 40 Prozent selbst finanziert werden.

Wertvolle Unterstützung findet die Aids-Hilfe auch beim neuen Intendant der Städtischen Bühne, Peter Spuhler. Aus Tübingen mitgebracht hat er den “guten Brauch, dass das Theater jährlich zum Welt-Aids-Tag der Aids-Hilfe gehört“. Daher steht für 1. Dezember eine große Aids-Gala auf dem Programm. Spuhler hat die Schirmherrschaft übernommen und leistete mit dem Beitritt zum Förderverein gleich auch seinen ganz privaten Beitrag. (Quelle: Stephan Kraus-Vierling (c) Umweltdirekt Heft 3/2006 )

 

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Stand: 13. Januar 2008