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Aktionsbündnis

   

Kirche in HeidelbergSeit ein paar Jahren gibt es bei uns eine Kirchengruppe, die anfänglich die ökumenischen Gottesdienste zum Welt-Aids-Tag gestaltete, und ab Frühjahr 2001 eine eigenständige Aufgabe in der Aidshilfe übernommen hat: den Kontakt zu Kirchengemeinden im Heidelberg und Umgebung aufzunehmen, Mitwirkung bei Gottesdiensten, sowie Informationen für Firmlinge, Konfirmanden, und Gemeindemitglieder über HIV und AIDS zu vermitteln. Wir unterstützen die Forderungen des Aktionsbündnisses gegen AIDS, und beteiligen uns an deren Aktionen.

Sind Sie neugierig geworden? Ihre Ansprechpartnerin: Lilo Treibel

 

"Der Leib Chrisi hat AIDS"„Der Leib Christi hat AIDS“ – so lautete der provozierende Titel einer Installation in der Kapelle der Jesuitenkirche in Heidelberg , welche im letzten Jahr die Besucher der Kirche zum Nachdenken anregte.

Entstanden ist sie  anlässlich der Welt-AIDS-Konferenz 2004 in Zusammenarbeit mit dem Pastoralreferent Hermann Bunse und dem Aktionsbündnis für AIDS, gleichzeitig ist es aber auch der Titel eines  Buches, das sich mit der Pandemie als Herausforderung für die Kirche beschäftigt. 

In seinem Geleitwort erinnert missio-Präsident Pater Hermann Schalück an Franz von Assisi, der den Aussätzigen, den Vertreter der damals Ausgeschlossenen, umarmte und ihm so diese Erfahrung schenkte: Gerade der/die Arme und Schwache gehört wie bei Jesus ins Zentrum der teilnehmenden Aufmerksamkeit der menschlichen Gemeinschaft und der christlichen Gemeinde. Für die missio-Projektförderung bedeutet das, so Mitautor und missio-Auslandsreferent Burchard Schlömer, HIV/AIDS darf kein Randthema einzelner Fördervorhaben bleiben, sondern muss in die normale Pastoral und Pastoralausbildung einbezogen werden. Neben spezifischen HIV/AIDS-Projekten müsse das ganze Instrumentarium kirchlicher Arbeit einbezogen werden. 

"Das Thema AIDS ist für die Kirche weder ein externes noch ein theoretisches Problem sondern eine Anfrage an sie als Ganze: An eine Kirche, die gemäß 1 Kor 12,26 als Leib Christi die Leiden aller Glieder mitleidet und somit eine unmittelbar Betroffene ist", heißt es in der Einleitung des im Verlag der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg erschienenen Buchs. Ein Dutzend Autoren, unter anderem aus dem von der Epidemie besonders stark betroffenen Südafrika, beschäftigen sich mit politischen, gesellschaftlichen und ethischen Aspekten von HIV/AIDS.

Installation in der Kapelle am Eingangsbereich der Jesuitenkirche Heidelberg"In einigen Teilen der Welt ist AIDS fast unsichtbar geworden; nicht weil die Krankheit verschwunden wäre, sondern weil sie ignoriert wird", schreibt der in einem südafrikanischen Township als Pfarrer tätige Moraltheologe Charles Ryan und fügt hinzu: "Außerdem ist die Schande und die Stigmatisierung, die mit der Krankheit assoziiert werden, groß wie eh und je, so dass HIV-Positive sich verstecken und verborgen bleiben." Damit ist das Thema Ausgrenzung angesprochen, auf das in mehreren Buchbeiträgen eingegangen wird. 

Der Papst und verschiedene Bischofskonferenzen haben sich in öffentlichen Stellungnahmen wiederholt gegen die Diskriminierung der von HIV und AIDS betroffenen Menschen gewandt. Und sie stellten klar, dass AIDS keine Strafe Gottes sei. Das steht auch im Katholischen Erwachsenen-Katechismus (Deutsche Bischofskonferenz 1995), wie der Steyler Missionar und Dogmatikprofessor Joachim G. Piepke feststellt. Doch heiße es dort ebenfalls, dass die Immunschwäche AIDS in vielen Fällen "ihren Ursprung in einem unmoralischen Leben hat und insofern als Auswirkung dieses unmoralischen Lebens bezeichnet werden kann". Damit wird laut Piepke eine Kausalität festgeschrieben, die biologisch und sachlich nicht zutreffe: "Denn AIDS ist nicht Folge eines unmoralischen Handels, sondern Folge einer Virusinfektion, die sich über sehr verschiedenartige Ansteckungswege vollzieht". In subtiler Weise werde das Etikett "Unmoral" mit der Krankheit AIDS verbunden. Subtil würden die Faktoren "Schuld" und "Sünde" mit eingeführt. "Der AIDS-Kranke aber ist und bleibt stigmatisiert als Sünder", so der Professor. 

Aktionsbündnis gegen AIDSFür den Moraltheologen Ryan ist es die "erste und offensichtlichste Pflicht" der Kirche in einer Welt, in der eine riesige Zahl von Menschen an HIV/AIDS leide und sterbe, "jedes einzelne Opfer dieser schrecklichen Tragödie zu trösten und zu lieben - ohne zu verurteilen zu moralisieren oder darauf hinzuweisen, dass Vergebung notwendig sei". (Quelle: missio / Aachen)

 

Buchtipp: Der Leib Christi hat AIDS. Eine Epidemie als Herausforderung für die Kirche
Thomas Herkert / Norbert Kößmeier (Hg.)2004, 203 S., ISBN 3-928698-25-7,14.90 € 

 

 

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Stand: 06. April 2006