Red Ribbon   Die Verhüllung
   

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Zwischen "Superidee" und "ziemlich geschmacklos"

Grund zum Feiern hatte am Samstag nicht nur die Aids-Hilfe, die anlässlich ihres 15.Geburtstags die Türme der Alten Brücke mit Kondomen verhüllte, sondern auch die Braut Dora Hantash, die mit ihrem Ahmed auf dem Weg zum Standesamt war. Foto: Welker

Von Ingeborg Salomon

Für Zündstoff sorgte am Samstag ein spektakuläres Happening, das die Heidelberger Aids-Hilfe an der Alten Brücke inszenierte: anlässlich ihres 15. Geburtstags verhüllten rund 70 freiwillige Helfer des Vereins die Türme des denkmalgeschützten Baus mit rund 16 000 aufgeblasenen Kondomen. Das fanden die einen "eine Superidee", andere "reichlich geschmacklos". Noch in der Nacht gegen 3.30 Uhr hatten Studierende der Evangelischen Fachhochschule, Ludwigshafen mit ihrer Dozentin Antje Reinhard begonnen, große Dachdeckernetze auf der Alten Brücke auszulegen; hinein knüpften sie rund 16 000 zartrosa und weiße aufgeblasene Kondome. "Es hat riesig Spaß gemacht, es war auch kaum Wind, und als das Morgenrot über der Altstadt heraufdämmerte, war der Anblick einfach traumhaft", erklärte Antje Reinhard gegenüber der RNZ. Mit einer großen Hebebühne wurden die Netze dann an den Brückentürmen aufgehängt, so dass der Anblick um 11 Uhr zur offiziellen Eröffnung des Festes wirklich eindrucksvoll war.

Stadtspitze, Denkmalamt und die Bewohnerin des Brückenturms, Kirsten Kalow, hatten der Aktion zugestimmt. In 22 Meter Höhe von einer luftigen Plattform aus die Netze anzubringen, erforderte schon einiges an Schwindelfreiheit; doch als Entschädigung gab es einen traumhaften Blick über die Dächer der Altstadt. Der Mann, der Plattform samt Schwenkarm sicher steuerte, sah seinen Job dagegen ziemlich nüchtern. "Mir ist egal, was ich transportiere, für mich ist das eine ganz normale Arbeit", meinte Werner Bauer, Mitarbeiter der Firma Zooom (mit drei o!). Die meisten Passanten fanden für die ungewöhnliche Aktion recht positive Worte. "Ich konnte es nicht glauben und dachte erst, das seien Luftballons", amüsierte sich Willi Dukart aus Stuttgart. Der Russlanddeutsche, der zu einem Tagesausflug nach Heidelberg gekommen war, betätigte fleißig seine Kamera, während seine Mutter Rosa bekräftigte: "Ich bin Ärztin, und es ist ganz wichtig, dass die Menschen mehr über Aids nachdenken".

Für Dora und Ahmed Hantash war das Happening eine gelungene Überraschung auf ihrem Weg zum Standesamt; die beiden kamen mit Töchterchen Lamiss über die Alte Brücke, um sich im Rathaus trauen zu lassen. In fröhlicher Stimmung ging dann das offizielle Geburtstagsfest der Aids-Hilfe über die neben der Alten Brücke aufgebaute Bühne. "Wir haben 15 Jahre voller Höhen und Tiefen hinter uns", erinnerte sich Lilo Merkel, seit Jahren als Ehrenamtliche dabei. Da gewöhnliche Geburtstagskerzen zu unscheinbar gewesen seien, hätte sich der Verein zwei richtig große Kerzen ausgesucht, erklärte sie in Anspielung auf die Form der Brückentürme. Antje Reinhard erinnerte daran, dass die Idee im Kreis der Studierenden entstanden sei; die Aktion solle der Prävention dienen und sei nach ihrer Meinung durchaus im Sinne eines "lebendigen Christentums". Zudem seien Türme von jeher ein Phallussymbol gewesen, und eine derartige Verhüllung durch Mama-Symbole sei doch recht originell, so Antje Reinhard.

Ein dickes "Dankeschön" der Initiatoren ging an alle Sponsoren, die diese aufwendige Aktion erst möglich gemacht hatten, unter anderen die Dachdeckerei Senn in Leimen, Gerüstbau Walther in Brühl und den Heidelberger Dachdecker Goswin Eifler. Im Namen der Stadt begrüßte Stadträtin Dr. Karin Werner-Jensen (SPD) die Gäste. Sie habe schon etwas Bedenken gehabt, aber jetzt finde sie die Aktion "Super-Klasse". Die Aids-Hilfe habe in der Stadt einen hohen Stellenwert, deshalb seien auch die Zuschüsse erhöht worden. Einig waren sich auch die Stadträtinnen Kristina Essig (CDU) und Lore Vogel (SPD): "Ein enormer Einsatz und eine wirklich gute Idee", fanden beide. Ziemlich egal dagegen war die ganze Diskussion einem zweijährigen Knirps; er drückte einen der heruntersegelnden "Luftballone" fest ans Herz, strahlte seine Mutter an und kommentierte nur: "Schön". Die Mutter lächelte - und schwieg. (Quelle: RNZ v. 11.6.01)

 

 

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Stand: 26. Februar 2003